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Die Feuerwehr ist kein Verein.

 

Sie ist schon erstaunlich die ganze Thematik, um das Ehrenamt. Ganz sicherlich ist das deutsche Feuerwehrwesen hier ganz maßgeblich betroffen. Es soll keine Wertung sein, wenn andere Ehrenämter hier nicht näher beleuchtet werden. Es ist für mich nur immer wieder verwunderlich, was alles unter dem Begriff Ehrenamt zu verstehen ist, bzw. auch verstanden wird. Ich habe damit so einige Mühe. Insbesondere, wenn der Feuerwehrangehörige ganz plötzlich gleichgestellt wird mit dem Kleingärtner, dem Hasenzüchter und dem Angler des Fischervereins. Ganz schnell mutiert das reine Hobby, die Freizeitgestaltung, in ein Ehrenamt. Und wenn die öffentlichen Sparkassen einmal im Jahr ihre Gewinne an die örtlichen Vereine ausschütten, dann berichtet die Tagespresse voller Lobes die Unterstützung des Ehrenamtes und die vielen Vereine (schon erstaunlich, was es da so alles gibt) erfreuen sich eines schönen Geldsegens. Da sind die Musiker dabei, die Sangesbrüder, der Tennisclub, die Landfrauen, der Narrenverein, die Tierschützer, die Sportler, das Deutsche Rote Kreuz und alles was sonst noch eine Eintragung im Vereinsregister hat. Nur die Feuerwehr, die ist nicht dabei. In diesem Fall wird genau differenziert, die Feuerwehr ist kein Verein!

 

Zeichen der Anerkennung.

 

Zurück zum Ehrenamt. Wir stellen fest, die Vereinsmitglieder sind ehrenamtlich tätig. Auch die Feuerwehr ist ehrenamtlich tätig, aber kein Verein. Dann sind da noch die Gemeinderäte und Kreisräte. Auch diese sind ehrenamtlich tätig. Schließlich haben sie so einige Sitzungstermine oder Vor-Ort-Termine. Und damit diese Tätigkeit mehr Freude bereitet erhalten sie Sitzungsgelder, Aufwandsentschädigungen und natürlich kostenfreie Getränke an den doch so trockenen Sitzungen. Die Feuerwehr hat auch Sitzungstermine. Sie haben ja auch Ausschüsse, Versammlungen und Besprechungen. Doch hierfür gibt es keine Sitzungsgelder und die Getränke müssen aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Und wenn ein Gemeinderat 25 Jahre die Bevölkerung kommunalpolitisch vertreten hat, dann wird er mit der goldenen Stadtmedaille ausgezeichnet und gefeiert. Und mancherorts auch noch zum Ehrenbürger ernannt.

Der Feuerwehrmann bekommt auch ein Ehrenzeichen. Das silberne Ehrenzeichen des Landes für die aktive Dienstleistung. Für das ehrenamtliche Engagement. Doch den Dienst hat er ja für die Gemeinde geleistet, in deren Feuerwehr er Mitglied ist, dort wo er wohnt und Bürger ist. Doch die meisten warten hier vergeblich auf eine Anerkennung. Vielleicht gibt es einen Händedruck oder der Antialkoholiker bekommt eine Flasche Wein oder der abgearbeitete, von harter Arbeit gezeichnete Bauer erhält nach 40 Jahren Feuerwehrdienst eine Badesaisonkarte, obwohl er zeitlebens noch nie ein Schwimmbad gesehen hat und ganz zu Schweigen eine Badehose besitzt. Ein Veto ist hier unangebracht. Die Feuerwehren sollen doch endlich einmal zufrieden sein! Man meint es ja nur gut. Die Gemeinde hat nun mal keine Reichtümer zu verteilen.

 

Quo vadis Ehrenamt

 

Was bedeutet: Ehrenamt? Was will uns dieser so oft und auch falsch interpretierte Begriff sagen. Der ehrenamtliche Dienst am Nächsten, also die unentgeltliche freiwillige und auf Dauer ausgerichtete Hilfe ist bereits in den verschiedensten Religionen definiert und aufgeführt. So war es im römischen Reich nahezu selbstverständlich ehrenamtlich in der Gemeinschaft tätig zu sein. Wer es nicht tat galt als "idiótes" – als Privatmensch und genoss keinerlei Anerkennung. Auch heute engagieren sich 23 Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich, also unentgeltlich in den verschiedensten Institutionen und Einrichtungen. Das Ehrenamt muss also gemeinnützig, unentgeltlich und auf Dauer bzw. auf eine bestimmte Dauer hin ausgerichtet sein. Ohne diese ehrenamtlichen Tätigkeiten könnte keine Gesellschaft überleben. Sie ist darauf angewiesen. Ohne sie wären keine Fortschritte und Entwicklungen möglich. Die Leistungen wären gesellschaftlich nicht bezahlbar und wirtschaftlich umsetzbar.

Doch nicht alles, was sich Ehrenamt nennt erfüllt diese Anforderungen. Nicht jede Tätigkeit ist notwendig und wertschöpfend. Und nicht jede Tätigkeit ist gleich umfänglich. Nehmen wir die drei netten älteren Damen, die ganz fürsorglich am Blutspendetag Salamibrote richten. Und das machen sie bis zu dreimal im Jahr. Selbstredend unentgeltlich und freiwillig für das DRK. Natürlich sind diese drei Damen ehrenamtlich tätig. Doch wie vergleiche ich  diese Damen mit meinem Atemschutztrupp, der jede Woche probt und übt, in der Atemschutzübungsanlage bis zum körperlichen Zusammenbruch trainiert und im Einsatzfall in das brennende Haus rennt und Menschen vor dem sicheren Tod rettet. Während die drei netten Damen nach dem Blutspendetermin mit dem DRK-Vorsitzenden freundlich lächelnd für die Tageszeitung abgelichtet werden, werden wir von unserem Atemschutztrupp nie was hören. Nach 25 Jahren erhält er das silberne Ehrenzeichen, nach 40 Jahren das goldene Ehrenzeichen und das war´s.

 

Edel sei der Mensch hilfreich und gut.

 

So zitiert aus Goethes Gedicht – denn das unterscheidet ihn von allen Wesen die wir kennen.

Wenn der Mensch ehrenamtlich tätig ist, dann erwartet er auch etwas. Keine Vergütung, kein Lohn, kein Geld. Es ist Teil des Wortes. – EHRE - .

Die Menschen leben bewusst oder unbewusst in Hierarchien. Da gibt es oben und unten. Gute und Böse.

Gehen wir nur hundert Jahre zurück in ein ländliches Dorf. Da gab es den ehrenamtlichen Bürgermeister an erster Stelle, dann kam der Pfarrer, der Feuerwehrkommandant und den Dorflehrer. Ihnen begegnete man mit besonderer Hochachtung. Ohne diese Persönlichkeiten lief im Dorf nichts. Da wurde diese besondere Ehre gelebt und von allen akzeptiert. Und die Feuerwehr bestand aus nahezu der gesamten männlichen Bevölkerung. Jeder brachte sich so ein wie er konnte. Jeder war dabei. Das waren eine Ehre und eine Selbstverständlichkeit.

Kehren wir zurück in die Gegenwart. Wir verwenden das gleiche Wort mit geänderten Inhalten. Die Ehre verblasst auf einer Computerurkunde. Nicht jeder Bürger engagiert sich in klassischen, allgemeindienlichen Ehrenämtern. Es gibt immer mehr "idiótes" und denen geht es auch nicht schlechter.

Es gibt keinen Unterschied zwischen den ehrenamtlich engagierten unverzichtbaren Dienstleistern und den Privatmenschen. Die gesellschaftliche Ignoranz macht keinen Unterschied. Ganz im Gegenteil: der Ehrenamtliche muss noch für seinen Status kämpfen, muss seine Tätigkeit beweisen und auch noch in Kauf nehmen, abfällig belächelt zu werden. Wird dann die Hilfe des Ehrenamtlichen benötigt, dann werden  übertriebene Ansprüche an Schnelligkeit, Qualität und Professionalität gestellt.

Der Ehrenamtsdienst ist heute auch sonst nicht selten negativ behaftet. Die Feuerwehr braucht immer zu lange bis sie am Brandort ist und dann werden Schadensummen publiziert, so als ob die Feuerwehr gar nicht da gewesen wäre. Und dann diese ewigen Wünsche nach neuer Ausrüstung, ein neues Fahrzeug und neuer Dienstkleidung. Wieso lesen wir nie wie viel Sachwerte die Feuerwehr gerettet hat und wie viele Arbeitsplätze erhalten blieben. Warum steht nirgends, dass durch die zeitintensive Pflege das Löschfahrzeug zehn Jahre länger hielt als wirtschaftlich vorhersehbar war, die Feuerwehrleute durch persönliche Aufopferung immer zehn Minuten nach dem Alarm am Einsatzort sind, und dass die Feuerwehr nichts dafür kann, dass der alte Spreizer kein modernes Auto mehr knacken kann.

Wollen wir das ehrenamtliche Engagement, das Ehrenamt bewahren müssen wir, dem Zeitgeist folgend, diesem Amte Inhalte und Anerkennung verleihen. Jeder Einzelne ist, wie schon in den früheren Zeiten,  bereit zu helfen. Doch wollen wir diese Bereitschaft nicht verkümmern lassen müssen wir motivierend und gerecht handeln. Kaum einer wird heute noch uneigennützige Dienste anbieten aus der Furcht heraus, selbst einmal Hilfe zu brauchen. Kaum einer wird sich auf Jahre hinaus an eine Einrichtung binden und seine Freiheit einschränken. Dies wird zumindest dann dazu führen, wenn wir nicht wahrhaben wollen, dass es wichtig ist, die Personen zu ehren und herauszustellen, den ehrenamtlichen Dienst leisten. Der Ehrenamtliche muss sich von den anderen unterscheiden lassen. Und das ist machbar. Wie Goethe in seinem Gedicht weiter ausführte:

 

Denn unfühlend

Ist die Natur:

Es leuchtet die Sonne

Über Bös und Gute,

Und dem Verbrecher

Glänzen wie dem Besten

Der Mond und die Sterne.

 

Wind und Ströme,

Donner und Hagel

Rauschen ihren Weg

Und ergreifen

Vorüber eilend

Einen um den andern.

 

Nur allein der Mensch

Vermag das Unmögliche:

Er unterscheidet,

Wählet und richtet;

Er kann dem Augenblick

Dauer verleihen.

 

Er allein darf

Den Guten lohnen,

Den Bösen strafen,

Heilen und retten,

Alles Irrende, Schweifende

Nützlich verbinden.

 

Und wir verehren

Die Unsterblichen,

Als wären sie Menschen,

Täten im Großen,

Was der Beste im Kleinen

Tut oder möchte.

 

Der edle Mensch

Sei hilfreich und gut!

Unermüdet schaff er

Das Nützliche, Rechte,

Sei uns ein Vorbild

Jener geahneten Wesen!

 (c) Santl Thomas